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Die Hoehlen von Ajuy - Boot am Strand von Ajuy

Piraten, Blut und schwarzer Sand – Die Höhlen von Ajuy

Ajuy

Es ist fast nicht vorstellbar, dass an genau diesem wirklich ruhigen Fleckchen Erde im 15. Bzw. 16. Jahrhundert so dermaßen die Post abgegangen ist, dass ein Strandabschnitt von Ajuy heute den wenig vielversprechenden Namen „Playa de los Muertos“ (Der Totenstrand) trägt. Dazu jedoch später mehr…

Zufallstreffer

Unser Weg zum Fischerdorf Ajuy ist eher ein Zufallstreffer, liegt es doch auf halbem Wege zwischen dem Mirador Morro Velosa und dem Mirador astronómico de Sicasumbre, direkt an der Westküste, unweit von Pájara.

Wir haben noch etwas Zeit auf dem Weg zurück ins Hotel und entschließen uns, den kleinen Umweg in Kauf zu nehmen. Ein Wegweiser zu den Höhlen von Ajuy hat unser Interesse geweckt.

Vor Ort angekommen, steuern wir unseren Mietwagen direkt auf den vorgelagerten und völlig überdimensionierten Parkplatz, der bereits ganz laut „Touristenattraktion“ schreit.

Vorbei an einem riesigen Kreisverkehr mit Rainer Calmund Gedächtnispalmen, führt eine kleine Straße direkt ins Dorf, welches diese Bezeichnung auch mehr als verdient hat. Die hochgeklappten Bürgersteige El Cotillos sind gar nichts dagegen. Diese hier haben wahrscheinlich nicht einmal einen Klappmechanismus.

Die Sonne brennt uns gnadenlos auf die Mütze an diesem außergewöhnlich heißen Tag. Als wir durch die winzigen Gassen streifen, bin ich mir sicher, dass ich mir, nachdem wir die vergangenen Stunden auf dem Morro Colorado herumgestiefelt sind, tierisch die Glatze verbrennen werde.

Kulinarische Vielfalt

Wir halten uns also im spärlich gesäten Schatten auf und erreichen nach einigen Abbiegungen den Fressmeter. Es Fressmeile zu nennen wäre definitiv übertrieben.

Knapp eine handvoll Restaurants* gibt es in Ajuy und von „Fast Food“ im weitesten Sinne, bis hin zu fangfrischem Fisch und Zicklein wird so ziemlich alles angeboten, was das Herz begehrt. Ungewöhnlich für einen Ort, dessen Häuser du ohne Weitwinkelobjektiv auf nur einem Foto einfangen kannst, ohne dafür weit laufen zu müssen.

Auffällig ist der recht hohe Altersdurchschnitt der Touristen im Dorf, der sich durch mit Spazierstöcken bewaffnete, umherwackelnde Baumwollplantagen in schwindelerregende Höhen schraubt. Ein Reisebus hat das Friedhofsgemüse hier ausgespuckt, wie wir am sehr laut und deutlich sprechenden, wild gestikulierenden Tourguide erkennen können. Offenbar kann man das Essen hier auch lutschen.

Vom Lavasandstrand zu den Höhlen von Ajuy

Unser Ziel ist jedoch nicht besagter Fressmeter, sondern der pechschwarze Strand. Auf den ersten Blick wirkt die Szenerie eher wie einer der typischen Strände auf Lanzarote, wo das kontrastreiche Zusammenspiel von türkisfarbenem Meer und schwarzem Sand weit häufiger vorkommt. Insbesondere durch die am Strand liegenden Boote entsteht so eine recht lohnenswerte Location für Fotografen, die zumindest auf Fuerteventura Seltenheitswert hat.

Menschen hast du hier recht selten im Bild, da der Strand mit seiner groben Struktur nicht wirklich zum Liegen einlädt und darüber hinaus der Wellengang zu stark ist, um zu schwimmen. Für Strandfreunde bietet Fuerteventura andernorts gewiss schönere Gelegenheiten den Bimbam baumeln zu lassen, wie zum Beispiel den endlosen Sandstrand Risco del Paso.

Direkt rechts vom Strand befindet sich der Aufgang zu den Höhlen von Ajuy, der eigentlichen Hauptattraktion des Ortes. Direkt vom schwarzen Lavasandstrand führt der Weg vorbei an fossilen, unter Naturschutz stehenden Gesteinsformationen, das Meer zur Linken immer im Blickfeld.

Die Hoehlen von Ajuy - Felsformation an der Küste von Ajuy auf Fuerteventura

Fossile Steinformationen

Die Hoehlen von Ajuy - Kueste von Ajuy auf Fuerteventura

Meerblick inklusive

Um auch wirklich an den Höhlen anzukommen, empfiehlt sich festes Schuhwerk, denn der Boden ist, vorsichtig ausgedrückt, uneben. Für einen gesunden Menschen ist der Marsch sogar mit drei Atü auf dem Kessel noch machbar, für die Busladung Mümmelgreise jedoch eine unlösbare Aufgabe. Die Meute bleibt lieber bei ihrem pürierten Fisch.

 

Während du also ganz nebenbei an den ältesten Steinstrukturen Fuerteventuras vorbeispazierst, liegen zu deiner Linken im Wasser die Überreste des alten Hafens von Ajuy, namens „El Rampa“ und zu deiner rechten die alten Öfen, in denen früher die Haupteinnahmequelle der Insel gebrannt wurde… Kalk.

All das klingt jetzt nicht so waaaahnsinnig spannend und ich gäbe dir da vollkommen Recht, wenn ich nicht via Smartphone kurzerhand etwas in der Geschichte der Stadt gestöbert hätte.

Die blutige Geschichte Ajuys

Die Höhlen, zu denen wir gerade spazieren, waren nämlich anno Zwieback gut frequentierte Piratenverstecke. Fuerteventura war im 15. Und 16. Jahrhundert durch seine Lage sehr beliebt für die Jack Sparrows dieser Z… jaaaa, ok… CAPTAIN Jack Sparrows dieser Zeit.

Als strategisch wichtiger Dreh- und Angelpunkt für Raubzüge zwischen Amerika, Afrika und europäischem Festland, wurde Fuerteventura oft von plündernden, brandschatzenden und mordlustigen Piratenhorden überfallen - Harrrr!

Das mag für uns filmverwöhnte Neuzeitmenschen spannend klingen, doch der schwarze Strand, an dem wir vorhin noch standen, trägt den Namen „Playa de los Muertos“ nicht umsonst.

Er diente den Piraten bei vielen ihrer Überfälle auf das Dorf Ajuy und die damalige Hauptstadt Betancuria als Landeplatz für ihre Schiffe. An diesem Strand ist wahrlich hektoliterweise Blut im Lavasand versickert. Viele der Ureinwohner Fuerteventuras, Majos genannt, wurden von hier aus entführt und als Sklaven weiterverkauft, wenn sie das fragwürdige Glück hatten mit dem Leben davonzukommen.

Bei einem solchen Angriff wurde im 16. Jahrhundert zum Beispiel die Stadt Betancuria vollständig zerstört. Weitere Spuren der Piraterie finden sich zudem auch mit den Wehrtürmen in El Cotillo und Caleta de Fuste.

Sind wir mal ehrlich: Wenn Piraten im Spiel sind, wird jeder auch noch so geschichtsmuffelige Mann plötzlich hellhörig und lässt sich sogar breitschlagen, eine sonst recht unspektakuläre Höhle zu besuchen.

Der Weg entlang der Küste zieht sich ein wenig, bietet aber mit durchgängigem Blick aufs Meer auch etwas fürs Auge. Zwischenzeitlich gibt es ein paar Gelegenheiten falsch abzubiegen, doch wie so oft bist du im Vorteil, wenn du lesen kannst und Schilder richtig zu deuten weißt.

Zu guter Letzt führt eine schmale, glitschige Treppe hinab in eine der riesigen Piratenhöhlen.

 

Die Erkundung der Höhlen

Hier haben die holzbeinigen Papageizüchter also ihre Beute versteckt. Hatte ich die Höhlen vorab noch als eher semi-spannend abgetan, bin ich nun ziemlich beeindruckt angesichts der Dimensionen und der Aussicht auf einen direkt vor der Höhle liegenden Felsbrocken, dessen Größe man auf Bildern nicht wirklich erfassen kann. Das Wasser rauscht kräftig heran und bildet um den Fels herum Strudel, die uns klar machen, warum dieser Ort ein ideales Versteck war.

Über den Landweg kaum zu erreichen und über das Wasser auf diese Weise von Mutter Natur geschützt, war das Diebesgut hier weitestgehend sicher. Unvorstellbar wie man all die Klunker damals hier hineingeschafft hat… mit nur einem Bein, einem Haken als Hand, einer Augenklappe und diesem nervigen Vogel auf der Schulter.

Zudem ist das Versteck nicht nur unerwartet hoch, sondern auch extrem lang. Fast 600m ins Landesinnere reicht die „Cueva negra“ (Schwarze Grotte) und es ist den Mutigen vorbehalten so tief hineinzugehen. Licht ist weiter hinten nämlich Mangelware.

Da wir unser Höhlenforscher-Equipment leider im Auto haben liegen lassen, begnügen wir uns mit dem vorderen Teil der Höhle und dem kleinen Aussichtspunkt davor, von dem aus du einen perfekten Blick auf die vielen Höhlen auf der anderen Seite der Bucht hast.

Auch wird es dich freuen, dass es hier zum ersten mal wieder Schatten gibt und sich die Hirse wieder etwas abkühlen kann. Hin und wieder vergisst man bei all dem Wind dann doch, dass man sich beinahe in Afrika befindet.

Das Felsentor Peña Horadada

Für dich, als alte Wanderratte, geht es von hier aus aber noch nicht zurück zum Auto, sondern wieder hoch auf den Weg und weiter auf die Steilklippe. Es gibt noch ein weiteres Highlight zu bestaunen. Das Felsentor Peña Horadada, 1,6km nördlich der Caleta negra, erinnert stark an die Steinbögen des Arches Nationalpark in den USA, mit dem kleinen Unterschied, dass durch dieses Felsentor der Atlantik zu sehen ist und die Größenordnung dann doch eine völlig andere ist.

Ein kleiner Weg oberhalb der Höhle separiert dich vom Rest der Touristen, die brav alle wieder den Weg Richtung Ajuy einschlagen. Wegweiser suchst du hier vergeblich, doch der Pfad führt dich ohne Umwege direkt um die Caleta negra herum und endet am Barranco de la Peña, dem Ziel deines Zusatztrips.

Leider ist unser Akku an dieser Stelle leer, sodass wir dich nicht mit Fotos des Felsentors begeistern können. Onkel Google hält aber einige Bilder für dich bereit.

Zurück in Ajuy hast du insgesamt eine circa 6km lange Wanderung hinter dir und kannst dir sicher sein, alles von Interesse gesehen zu haben. Falls du noch nicht genug hast, bietet dir die Wanderkarte mehr Inspiration.

Fazit

Alles in allem sind die Piratenhöhlen von Ajuy und der pechschwarze Sandstrand schon eine kleine Reise wert, doch du wirst wahrscheinlich enttäuscht sein, wenn du dafür extra von Corralejo aus herfährst. Verbinde die Besichtigung einfach mit einem Besuch in Pájara, Betancuria oder La Pared, dann kannst du diese Sehenswürdigkeit „on the fly“ mitnehmen. So lohnt es sich!

Fühl dich frei, deine Tipps und Erfahrungen in den Kommentaren mit uns zu teilen!

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