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Die Erfahrung Los Angeles - Blick auf Downtown aus dem Griffith Park

Die Erfahrung Los Angeles – ein Fazit

Die Anfänge

Es ist 1999.

Im Auto läuft „Coma America“ von AMEN auf Dauerschleife. Die viel zu tief sitzende Baggy Jeans bietet beim Aussteigen aus dem mit Bandstickern zugepflasterten Golf 2 freie Sicht auf die karierten Boxershorts, ob man will oder nicht. Die schweren Ketten am Portemonnaie tun ihr übriges und meine mit langen Nieten versehenen Adidas Superstars verschwinden fast komplett unter dem löchrigen Hosensaum.

Selbst mein engstes Umfeld versagt bei der Einkategorisierung meines Äußeren in die üblichen Schubladen, denn mit dem kruden Mix aus Gothic, Motocross, HipHop und Metal-Elementen sind einfach alle gnadenlos überfordert. Schwarz lackierte Fingernägel, mindestens ein schwerer Ring pro Finger, dazu ein kahlrasierter Schädel mit zwei leuchtend blauen Zöpfen an der Stirn. Jede einzelne Pore an mir ist quasi amerikanisiert, folgt einem klaren Vorbild.

Daheim wartet David Lynchs „Lost Highway“ im VHS Videorekorder darauf verschlungen zu werden, zum wiederholten Male. Es führt quasi gar kein Weg daran vorbei, dass ich die Traumfabrik einst einem Realitätscheck unterziehen würde, denn sie ist mein täglich Brot und meine Luft zum Atmen zugleich. Dort, in dieser Inspiration für Unmengen an Künstlern zu leben muss ein Traum sein… leben in Los Angeles.

Einflüsse

Für mich als bekennender Filmfreak und Musikliebhaber immer schon ein persönliches Mekka, wenn auch nur aus der Ferne. Ein glorifizierter, leuchtender Abenteuerspielplatz, der alles in sich vereint, was mir seit frühester Jugend heilig ist und mich geistig, wie auch optisch geprägt und nachhaltig verändert hat, obwohl ich nie einen Fuß dorthin gesetzt hatte. Von „A Nightmare on Elm Street“ bis „Pulp Fiction“, von „AMEN“ über „Fear Factory“ bis hin zu „Snot“… Der Soundtrack meines Lebens kommt fast ausschließlich aus einer einzigen Stadt, lässt man Bakersfield und Des Moines mal außen vor.

Wenig später soll sogar mein Einkommen in direktem Zusammenhang damit stehen, denn auf meinem Gehaltsstreifen prangen die Buchstaben WB, die Abkürzung für Warner Bros..

Die tägliche Arbeit mit amerikanischen Showproduzenten und Stuntmen schürt mein Verlangen nach mehr natürlich noch weiter, während sie gleichzeitig auch ein wenig Realismus in den Tagtraum bringt. Showbusiness ist ein hartes Business. Das merkt man sogar hier, mehr als 9000 Kilometer entfernt vom echten Showbiz an der Westküste, doch den Zauber nimmt mir der Job nicht.

20 Jahre später

Umso mehr wundere ich mich heute, 20 Jahre später, über all die negativen Stimmen des Internets zu meiner geliebten Stadt, die mir immer schon so viele unvergessliche Stunden bereitet hatte. „LA an einem Tag“… „Alles was du in LA sehen musst an einem Tag“… „West Coast Roadtrip mit einem Abstecher zum Hollywood Boulevard“…

All das sind Überschriften von Blogartikeln und Ratgebern zum Thema Los Angeles, die ich während meiner Recherche für unseren Aufenthalt in der Millionenstadt lesen muss. LA erleben an nur einem Tag? Wie soll DAS denn funktionieren?

Mit einigen wenigen, immer noch recht negativen Ausnahmen raten fast alle dazu, Los Angeles entweder nur kurz zu besuchen, um in Windeseile die obligatorischen Touristenfallen abzugrasen oder aber den dreckigen Moloch gänzlich zu meiden und sich stattdessen auf die Nationalparks des mittleren Westens zu stürzen.

Gesunder Realismus

Dass der Glanz der Filme sich nicht 1:1 im wahren LA widerspiegeln würde, ist mir klar. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass alles wunderbar sein würde im LaLaLand, doch diese Ignoranz hat Kaliforniens Glanzlicht ganz sicher nicht verdient, hoffe ich jedenfalls inständig.

Fast hätte ich es geglaubt. Beinahe wäre ich eingeknickt. Um ein Haar hätte ich den Trip meines Lebens eingetauscht gegen die unqualifizierte und von Angst bestimmte Meinung einiger Weniger, die den Charme dieser Stadt, die Größe, Vielfalt und alles, was sich so in ihren Eingeweiden tummelt, einfach nicht verstehen, ja gar nicht verstehen können, weil ihnen schnelles Reisen wichtiger ist, als ein deep dive in einen der faszinierendsten Flecken Erde, die dieser Planet zu bieten hat.

Zum Glück prallen die Stimmen an mir ab. Ich bin der Teflonmann der LA-Kritik und fest entschlossen, mir ein eigenes Bild zu machen von all dem Dreck, den Pennern, Bonzenvierteln und No-go-areas von denen ich unentwegt lese.

37 musste ich werden, um endlich „rüberzumachen“, die Strapazen des langen Flugs auf mich zu nehmen und vor allem eine Partnerin zu finden, die meine doch sehr spezielle Liste der Sehenswürdigkeiten mit mir abzuarbeiten bereit ist. Bedenkt man, wie lange ich den Traum schon hege, eine viel zu lange Zeit.

Diesem Post werden viele sehr detaillierte Berichte folgen, so viel sei bereits jetzt schon gesagt, doch den Gesamteindruck, den LA bei Jenny und mir hinterlassen hat, möchte ich in den folgenden Zeilen gern zusammenfassend darstellen.

Die Fakten

Wer auch immer Los Angeles als dreckig bezeichnet… lügt. Wer Los Angeles als nicht sehenswert bezeichnet, hat einfach nur schlecht recherchiert oder sich schlichtweg nicht genug Zeit genommen. Wer den Verkehr dort als unerträglich empfindet, wohnt entweder auf dem Land und reitet auf einer Ziege zum hiesigen Bäcker oder hat erst gar keinen Führerschein.

Natürlich stimmt es, dass der durchschnittliche Ami lieber fährt, als zu laufen. Selbst kürzeste Strecken werden mit dem Auto zurückgelegt. Allerdings geschieht dies in einer Ruhe, die hierzulande hasserfüllte Hupkonzerte nach sich ziehen würde.

Wann immer du also diese oder ähnliche Negativmeldungen liest, klicke das kleine X oben rechts im Browser und lösche das Gelesene schnell wieder aus deinem Gedächtnis. Es ist den Speicherplatz im Hirn nicht wert.

Freundlichkeit am Anschlag

Die Wahrheit ist, Los Angeles empfängt dich mit offenen Armen und damit meine ich nicht die gezwungen lächelnde Bedienung, die auf dein Trinkgeld angewiesen ist und dir deshalb in den Hintern kriecht.

Bereits am Flughafen geht es mit bestens gelauntem Personal los, das zwar seine Pflicht erfüllt, aber dies mit einem Lächeln tut, auf jeden kleinen Joke eingeht und dankbar mitmacht. Gleiches gilt für den ungestüm herumflachsenden Busfahrer oder den Kassierer im Supermarkt, der interessiert nach deiner Herkunft fragt, um dir stolz erzählen zu können, dass ein Teil seiner Familie auch aus Deutschland kommt, dann seine Mitarbeiterrabattkarte für dich durch den Scanner zieht und dir somit zwinkernd 10$ einspart. Auch der bis zur Stirn tätowierte Mexikaner, der dir auf einem engen Bürgersteig entgegenkommt und mit einem freundlichen „Howyadoin‘“ auf den Lippen lächelnd Platz macht, damit weder du, noch deine Freundin, auf die Straße ausweichen musst, sieht nur auf den ersten Blick gefährlich aus.

In engen Räumen entschuldigt sich jeder, der auch nur auf einen halben Meter an dich herantritt, aus Sorge deine Privatsphäre gestört zu haben. Entschuldigung statt Schuldzuweisung heißt die Devise.

Neid? Fehlanzeige

Eine Tugend, die man in Deutschlands Großstädten ebenso vergeblich sucht, wie das Gönnen können. Steht in Kalifornien ein Mittzwanziger mit seinem orangefarbenen McLaren Supersportler an der Ampel neben einem uralten Ford Pickup, der seine besten Zeiten Anfang der Neunziger gesehen hat, werden durch die offenen Fenster kurzweg Nettigkeiten ausgetauscht. „Nice ride“ heißt es hier oder auch „Sweeeet“, erwidert von einem kurzen „Thanks man! Have a good one!“. Wie sehr würde ich mir dieses Verhalten für Deutschland wünschen. Die Freundlichkeit und Offenheit der Amis ist wirklich überwältigend.

Als wir mitten im verruchten Downtown die Orientierung verlieren, kommen zwei Bauarbeiter auf uns zu und sprechen uns an. „You guys seem to be kinda lost. What‘ya lookin‘ for?“ Aufmerksamkeit, wie sie in Deutschland ungefragt höchstens einer nuttig gekleideten Blondine mit fünf Pfund Titten zu Teil wird, jedoch keinem verirrten Touri.

Die Schattenseiten der Erfahrung Los Angeles

Aber machen wir uns nichts vor. Natürlich ist nicht alles toll im Sunshine State. Die Menge an Obdachlosen und die Gleichgültigkeit der Menschen ihnen gegenüber ist schwer zu verdauen, insbesondere da es unsichtbare Grenzen zu geben scheint, die keiner der beteiligten Akteure überschreitet.

Die Grenze zwischen Skid Row und dem neu gentrifizierten Downtown zum Beispiel ist geradezu unheimlich. Lediglich eine Straße trennt das Finanzzentrum von bitterer Armut. Es ist fast so, als hätte man eine Brille auf, durch die man zwei Universen erfassen kann, denn selbst an den wenigen Orten, an denen sich die Anzugträger mit den Hobos vermengen, läuft alles aneinander vorbei. Pennerbusiness bleibt Pennerbusiness und Schlipsbusiness eben Schlipsbusiness. Berührungspunkte existieren nicht. Man ignoriert sich so gut es eben geht. Tagsüber funktioniert das wunderbar, doch wer nachts die Hosen an hat, steht sicherlich außer Frage. „Visit Downtown! Get rich or get stabbed!“

 
 

Auch eine Spritztour durch South Central, Compton oder East LA ist zu keiner Tages- oder Nachtzeit empfehlenswert. Erst recht nicht mit käsiger Hautfarbe und einem Mietwagenbarcode auf der Seitenscheibe. Allerdings kann man letzten Endes daran eine Stadt nicht messen. Du stempelst ja auch keinen Zoo als gefährlich ab, weil man im Löwengehege nicht sicher ist.

Du musst schon aufpassen wohin du trittst, wem du auf die Füße steigst und wo du dich der Traumfabrik wirklich hingeben kannst, aber wenn du dich an diese Spielregeln hältst, hat Los Angeles so viel mehr zu bieten als nur den Santa Monica Pier und die Sterne des wirklich dreckigen Hollywood Boulevards.

Vielfalt ohne Ende

Innerhalb 90 Minuten Fahrzeit kannst du es von filmreifen Stränden, über stark an New York erinnernde Häuserschluchten, bis hin zu einem 1.740m hohen Berg schaffen, der mit fast keinen Menschen, dafür aber mit Bären, Klapperschlangen und Berglöwen aufwarten kann. Wo sonst ist das möglich?

Mich hat die Stadt trotz ihrer Oberflächlichkeit, ihrer tausenden Obdachlosen und 8-spurigen Highways komplett in ihren Bann gezogen. Trotz? Vielleicht auch gerade deswegen. Genau weiß ich das noch nicht, doch was ich ganz sicher weiß ist, dass es bald wieder LAX-Anhänger an meinem Koffer geben wird.

Bis dahin verarbeite ich meine Erlebnisse hier auf TRIPWEAZEL und hoffe, du kannst einige Infos für deinen eigenen LA Trip mitnehmen.

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