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El Cotillo – Urlaub fernab des Massentourismus

Schuhe am Strand von El Cotillo auf Fuerteventura

El Cotillo

Vor jeder Reisebuchung steht grundsätzlich immer die eine große Frage im Raum: „Wo möchte ich eigentlich wohnen? Zentral, mit allen Annehmlichkeiten direkt vor der Tür oder doch lieber etwas abseits des ganzen Trubels?"

Beides hat sein Für und Wider und da wir Fuerteventura noch nicht kannten, haben wir uns vorab für die bequemere Variante und damit für die Hotelbatterie Corralejo entschieden. Ich möchte nicht sagen, dass wir es im Nachhinein bereuen, doch mit heutigem Wissen würden wir ganz sicher eine völlig andere Destination wählen… und zwar El Cotillo.

Nun magst du dich fragen El Co-was? Berechtigte Frage, denn im Vergleich zu Corralejo oder dem Bienenstock Morro Jable ist dieses Fischerdörfchen ein regelrechter Fliegenschiss auf der Karte.

Auf der Flucht also vor Uschi, Günther und den anderen Liegenreservierern in Karo-Shorts und Badelatschen, treibt es uns vor Ort schnurstracks auf die FV-1, die uns binnen 20 Minuten mit zwei Abzweigen über die FV-109 und die FV-10 an die Westküste und damit nach El Cotillo bringt.

El Cotillo: Zwischen Ursprung und Tourismus

Bereits die Anfahrt lässt uns erahnen, dass die 1000 und ein paar zerquetschte Einwohner allesamt Bücher über Entschleunigung zu schreiben in der Lage wären. Die Bordsteine sind noch immer hochgeklappt, obwohl es schon später Vormittag ist und außer einem Esel, einer Fenster-Oma und zwei Vans mit verkaterten Surferdudes ist weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Genau das, was wir gesucht haben.

Von Fisch und Piraten

Eine kurze Fahrt durch den Ortskern und etwas darüber hinaus zeigt uns die Möglichkeiten auf. Essen kannst du hier sehr gut, wenn du nicht allzu wählerisch bist und eh gerade Bock auf Meeresgetier hast, denn Nemos Gefolge springt hier praktisch direkt aus dem Netz der vielen Fischer in die Pfanne. Restaurants und Bars an sich gibt es jedoch relativ wenige im Vergleich zu den größeren Städten. Verhungern wirst du aber ganz sicher nicht.

Der nahe der Promenade gelegene alte Hafen der Stadt war anno Zwieback für Piraten sehr interessant, da ein Großteil des Handels hier stattfand. Auch heute noch kann man den alten Wehrturm besichtigen, von dem aus man Captain Hook fernzuhalten versuchte. Zu sehen gibt es das Ganze auch im Video von Stevepitts18

Für die Fischerei wurde die Lage des Hafens aber mehr und mehr zum Hindernis, da sich die Wirtschaft zu einem anderen Teil der Insel verlagerte und die Zugänglichkeit für größere Schiffe durch die Felsen auch eher als suboptimal zu bezeichnen war. Dies war wohl auch der Hauptgrund für das eingeschränkte Wachstum El Cotillos. Der Ort wirkt heute noch exakt wie Corralejo vor 20 Jahren.

Abhilfe schafft heute der neue Hafen, der von einer großen Wehrmauer umgeben Platz für Schiffe aller Art bietet (Nein, nicht die Queen Mary). Die Fischer des Dorfes starten ihre Touren nun von hier aus.

Zimmer mit Aussicht gefällig?

Mittlerweile erhält jedoch auch in El Cotillo nach und nach der Tourismus Einzug. Wir sehen einige kleinere Hotels und Apartmentkomplexe, die sich aber (noch) gut ins Stadtbild einfügen. Leuchtreklamen und Bettenburgen suchst du hier vergeblich, auch wenn das viele ungenutzte Land rings um den Ortskern für die Zukunft nicht viel Gutes hoffen lässt.

Ein günstiges Apartment in Strandnähe ist hier ohne Probleme zu finden, denn von vielen Unterkünften aus kannst du quasi direkt ins Meer spucken.

Die Stadtstrände

Wir parken unser Vehikel etwas außerhalb der Stadt, nachdem wir entschlossen haben, dass die beiden Stadtstrände, wenn man sie so nennen mag, nichts für uns sind.

Für jemanden, der mit der ganzen Familie reist und kleine Kinder dabei hat oder aber einfach sehr bequem ist und nicht auf die Annehmlichkeiten eines Hotelstrands verzichten möchte, bieten sich die flachen Buchten geradezu an.

Sowohl an der Bucht „La Concha“, nördlich von El Cotillo, die mit allem Zipp und Zapp wie Toiletten, Duschen, einem kleinen Restaurant, Retungsschwimmern, barrierefreiem Zugang etc. aufwarten kann, als auch an der ohne jegliche Infrastruktur daherkommenden Bucht „Los Lagos“, können Kinder bedenkenlos planschen. Große Wellen gibt es hier aufgrund der vorgelagerten Felsen nicht. Alles erinnert, nicht zuletzt wegen des extrem sauberen Wassers, eher an eine riesige Badewanne, als an den Atlantik.

Zum Relaxen kommen die Strände für uns trotzdem nicht in Frage, denn das flache Gewässer in Ortsnähe zieht eben auch die zu erwartende Klientel an. Wir sehnen uns nach Einsamkeit, nicht nach Kindergebrüll im Pipipool.

Generell gilt in El Cotillo: viele Strände, viele Namen. Es ist nicht leicht angesichts des Wirrwarrs an Lagunen, Buchten, Sandstränden und Steilküsten den Überblick zu behalten, zumal sich die tatsächlichen Namen von Website zu Website anders darstellen und auch von denen bei z.B. Google Maps unterscheiden.

Die rauen Strände südlich der Stadt

Wichtig zu wissen ist, dass alle Strände unterhalb der Stadt, also in südlicher Richtung, eher naturbelassen, wild und stürmisch sind. Schwimmen ist hier wegen der meist hinterfotzigen Strömungen nicht zu empfehlen, doch wer die Einsamkeit sucht, einfach laufen oder Fotos schießen will, der ist hier goldrichtig.

Auf gen Süden!

Die Berge zur Linken, das Meer zur Rechten, führt uns eine rumpelige Schotterpiste entlang der Steilküste zu Stränden wie der leicht zu erreichenden „Piedra Playa“, dem längsten Strand El Cotillos. Gelber Sand und jede Menge Felsen dominieren das Bild sowohl hier, als auch bei den noch weiter im Süden liegenden Abschnitte, wie der nur durch klettern zugänglichen Bucht „Los Mallorquines“. Diese besuchst du bestenfalls mit einer Textil-Allergie, denn FKK ist hier bei den wenigen Anwesenden sehr beliebt. Es geht circa 15 Meter recht steil bergab, also sollte dein Adams-Kostüm idealerweise doch um ein solides Paar Schuhe erweitert werden.

Bis zum Mittagessen verbringen wir den Tag an der Piedra Playa und genießen die Sonne. Der Wind hier weht ohne Unterlass und ohne eine der Schutz bietenden Steinburgen am Strand bist du auf jeden Fall um ein Peeling reicher. Der Sand fühlt sich an wie ein fliegendes Nadelkissen.

Nachdem wir im El Callao, einem sehr schicken und absolut empfehlenswerten Fischrestaurant, unseren Hunger gestillt haben, überkommt uns die Neugier und wir begeben uns zurück auf die Schotterpiste in Richtung Süden. Da muss noch mehr drin sein.

El Cotillos Außenposten

Stehst du, beziehungsweise dein Mietwagen, die holprige Piste für 5-6km durch, wirst du mit zwei weiteren Strandabschnitten belohnt, die es in sich haben.

Zum einen gibt es die „Playa de la Escalera“, die ihren Namen einer extrem steilen und maroden Steintreppe zu verdanken hat. Willst du dort hinunter, solltest du auf gutes Schuhwerk setzen. Mit Flip Flops kommst du sicherlich sehr schnell unten an, hast dann aber nichts mehr vom Strand, wenn du verstehst was ich meine.

Auch wir müssen passen, denn Jennys Höhenangst ist so gar nicht mit der Treppe in Einklang zu bringen.

Es soll übrigens auch schon Leute gegeben haben, die den Abstieg unfreiwillig mit dem Auto versucht haben.

Zum anderen findest du hier nach circa 6km den südlichsten Strand El Cotillos. Es steht dir eine ähnliche Klettertour bevor, wie zuvor bei „Los Mallorquines“, doch dafür wirst du einen der beliebtesten Surfer Hotspots erleben, der rein optisch der Piedra Playa recht ähnlich sieht, aber noch etwas zerklüfteter und gröber wirkt.

Ein kleiner Hinweis

Bleibt noch zu erwähnen, dass es an der gesamten Küste unterhalb El Cotillos keinerlei Infrastruktur in Form von Toiletten, Restaurants oder Ähnlichem gibt. Du bist hier komplett alleingelassen mit Mutter Natur.

Wasser, Snacks, Kackpappe und ein adäquates Gefäß um eben diese nicht in der Natur entsorgen zu müssen, sind also dringend notwendig. Sei ein guter Tourist und nimm deinen Müll wieder mit!

Dass die Uhren hier etwas anders ticken und wir jegliches Zeitgefühl verloren haben, merken wir als es langsam dunkel wird. Wir entscheiden uns, El Cotillo am nächsten Tag einen weiteren Besuch abzustatten, um den nördlichen Zipfel auch noch unter die Lupe zu nehmen. Das Örtchen ist definitiv zwei Tage wert, wie wir feststellen werden.

 

Der Leuchtturm „Faro de Tostón“

Zurück in El Cotillo führt unser Weg erneut vorbei an den Ferienwohnungen, Cafés und Restaurants, bis zum berühmten Leuchtturm „Faro de Tostón“ an der nördlichen Spitze des Ortes, in dessen Nebengebäude sich ein Café und ein kleines Museum befinden. Beides ist nicht wirklich sehenswert.

 

Auch die Steinformationen am Strand, die etwas an das Blair Witch Project erinnern, sind weit weniger mysteriös, als es den Anschein hat. Ursprünglich galten diese kleinen Steintürmchen als Wegweiser und Begrenzungsmarkierungen, denn was ist naheliegender, als in einer so kargen Gegend die Materialien zu nutzen, die sowieso herumliegen.

Mittlerweile sind 99% der hier stehenden Figuren jedoch eher auf touristischen Übermut zurückzuführen und haben keinerlei Nutzen.

Der Leuchtturm an sich ist mit seinen drei nebeneinander stehenden Türmen hingegen schon der Knaller. Über 100 Jahre und drei Anläufe hat es gebraucht, bis man eine adäquate Höhe für ein Leuchtfeuer gefunden hat. Das dürfte weltweit ziemlich einzigartig sein, für Feuerteventura mit all seinen gescheiterten Bauvorhaben aber irgendwie typisch.

Vom Leuchtturm aus sehen wir auch schon unser nächstes Ziel, die „Caleta del Marrajo“.

Karibische Buchten

Vom Parkplatz aus fahren wir den Weg, den wir gekommen waren, ein Stück zurück und biegen links ab auf eine sandige, kleine Piste, die nicht sehr vielversprechend wirkt, aber ein wahres Highlight der Gegend in petto hat. Was soll ich sagen? Auf Fuerteventura liegen harte, steinige Steilküsten nur einen Steinwurf entfernt von karibisch anmutenden Lagunen wie dieser hier.

Das Wasser ist kaum tiefer als kniehoch, kristallklar und mit einer Farbe versehen, die meine Handykamera nicht in der Lage ist vernünftig aufzunehmen. Wir genießen die Badewannentemperatur und pflanzen uns in den Sand. Weit und breit können wir keine Menschenseele entdecken.

 

Der kleine „Pacific Coast Highway“ zurück nach Corralejo

Statt den Weg zurück durch die Stadt zu nehmen, muten wir unserem Mietwagen die Küstentour zurück nach Corralejo zu.

Eine von tiefen Schlaglöchern und Steinbrocken gesäumte Sandpiste führt vorbei an zahllosen Buchten, Stränden und eindrucksvollen Landschaften, die ein wenig an den Südwesten der USA erinnern.

Immer wieder halten wir an und genießen den Ausblick aufs Meer entlang der „Atlantic Coast Buckelpiste“, dem ganz kleinen Bruder des „Pacific Coast Highway“ in Kalifornien.

Ab und an rauscht mal ein Einheimischer mit seinem Geländewagen oder eine Gruppe Strandbuggies an uns vorbei und schaut ungläubig auf unser komplett deplatziertes Auto, doch abgesehen davon sind wir fast die Einzigen, die mit ihrer Mietschleuder hier entlang knattern.

Majanicho

Auf halbem Wege zwischen El Cotillo taucht wie aus dem Nichts plötzlich Majanicho auf, ein noch kleineres Fischerdorf, bei dem man sich fragt, ob es nicht vielleicht doch eine Filmkulisse ist. Das Dorf selbst liegt etwas abseits der Straße und bietet insbesondere für Surfer und Naturliebhaber einige Airbnbs, doch der Teil, den du hier zu Gesicht bekommst, ist ein gefundenes Fressen für jeden ambitionierten Hobbyfotografen.

Von hier aus hast du auch wieder die Möglichkeit eine befestigte Straße zu nehmen, für den Fall, dass dein Auto so langsam den Geist aufgibt. Wenn noch alle Räder dran sind, empfiehlt sich aber die Weiterfahrt. Zwar hast du die schönsten Abschnitte bereits hinter dir, aber sehenswerter als die Fahrt durchs Inland ist die Strecke an der Küste entlang alle male.

Zu guter letzt spuckt dich die insgesamt circa 25km lange Straße direkt vor den Toren Corralejos aus und du kannst dir, vorausgesetzt du hast die Dünen von Corralejo schon besucht, an diesem Punkt sicher sein, wirklich alles gesehen zu haben, was die Nordküste Fuerteventuras für dich im Köcher hat.

Wenn du El Cotillo auch schon einmal besucht hast und vielleicht noch den ein oder anderen Geheimtipp auf Lager hast, fühl dich frei davon zu erzählen. Weiter unten findest du die Kommentarspalte.

2 Kommentare

  1. Myriam sagt:

    Waaaas? Ihr seid da mit dem Mietauto durchgeheizt? Unser Kleinwagen ist ständig aufgesetzt, sodass wir dann einen Buggy gemietet hatten – leider nur im Rahmen einer Tour. Das nächste Mal wollen wir einen beim Vermieter buchen ohne im Gänsemarsch hinter nem Tourguide herfahren zu müssen. Auf Fuerteventura waren alle Strände auf der Westseite wunderschön, besonders zum Sonnenuntergang, Wir waren jeden Abend an einem anderen Strand. Ich verlinke dir mal meine Topliste. 🙂
    Correlajo fand ich auch gut, der Strand mit den Dünen war top, es gibt Smoothies und leckere Paella am Strand. 🙂 Zum Glück kann ich oft die Tennissocken-in-Sandalen-Touristen ausblenden. 😀 Aber du hast Recht.: El Cotillo ist schon eine Perle und ein Surfer Paradies. obendrein Als wir dort waren, parkten ein alter VW-Bus neben dem anderen und Surfer bevölkerten den Strand. Das hatte was – ein kurzes „reinschnuppern“ in ein geiles Lebensgefühl.

    LG Myriam

    • Jens sagt:

      Da geb ich dir absolut Recht, Myriam! Mit dem Mietwagen haben wir uns einfach vorgetastet, sind auf der Piste von links nach rechts und wieder zurück, um den größten Löchern auszuweichen. Das geht schon, man ist nur nicht zwingend der Schnellste. Auf unserem Weg hat uns ja eine Strandbuggy-Tour überholt und noch rotzfrech gewunken. Kurz vor Corralejo sind wir dann an denen vorbeigezogen, da sie zwei Ausfälle hatten. Ein Reifen war platt und eine Achse gebrochen. Rate, wer da gewunken hat!

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